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Achtes Kapitel der Geschichte vom glücklichen Mann

20. Januar 2014

Also, wie ich probeweise schon einmal mit einem Satz versucht habe, zu beginnen:

In jeden Schulferien, seit 1936 wohl, holte die reiche Oma W. den armen kleinen – aber mit sich zufriedenen – seit er mit fünf Jahren Lesen und (Blogschrift) schreiben konnte – Rudolf Anders einfach so von der Stasse weg, sie fragte zuvor immer höflich die arme Oma Anders an ihrem Obstwagen in der Palisadenstrasse gegenüber dem MERKUR PALAST, Hertas Stammkino, ob sie den kleinen, etwas eingedreckten Rudolf mitnehman dürfte zu sich hinaus nach Mahlsdorf-Süd in die Kohlisstrasse 93. Denn da genau wohnte sie ja in ihrem schönen Einfamilienhaus mit dem großen dreihundert Quadratmeter-Garten.

Oma Anders stimmte immer sofort zu. Denn erstens konnte jeder sich auf das Tun der anderen Oma, der Oma W. verlassen, das wusste mensch, und dann gönnte sie selbstlos dem kleinen Lausbuben, der immer so fleissig sofort seine Schularbeiten machte, bis er dann ins hintere Zimmer verschwand zum geleiebten Lesen, diese – für sie – kostenlose kleine Urlaubsreise.

Also, Rudolf wurde gerufen, denn meistens, wenn er schon auf der Lichtenbergerstrasse herumtollte – Autos waren ja kaum zu befürchten – da war er auch nicht weit von Oma Anders umlagerten Obstwagen entfernt. Er kam sofort, wenn mensch ihn rief, und siehe da, er staunte wieder einmal nicht schlecht: Die reiche Oma W.: Na, das konnte wieder einmal nur hinauslaufen auf eine Riesenüberraschung.

Und so war es denn auch ein jedes Mal: Er wurd von Kopf bis Fuß neu eingekleidet, bekam wieder sofort eine Zahnbürste, was ihn im Stillen lächeln liess, denn er wusste ja aus Erfahrung, wenn er nach drei Wochen wiederkäme, zurück in die Lichtenberger Strasse, dann würde Oma Anders gewiss – seufzend – sagen – also nee, wat die reiche Omasche sich immer wieder so ausdenkt.

Nach dem Einkaufen und Einkleiden ging es dann hinaus nach Mahlsdorf-Süd – mal ganz normal mit der S-Bahn bis zum Bahnhof Köpenick und dann diese schönen vier Stationen mit der Strassenbahn bis zur Wendeschleife in Uhlenhost, und mal auch mit der Taxe, wenn es denn eilig war, weil die Oma W. am Abend in ihrem Riesenwohnzimmer mit den schönen dunklen mooreichenen protzigen Möbeln und der zwei Stufen höheren Terrasse, auf der eine Garnitur von Korbsesseln mit einem runden Tisch stand. Von der Haltestelle der Strassenbahn, wo die zweigleisige Strecke von Köpenick dann auf die Eingleisige traf, die dann weiter führte bis zum eigentlichen Bahnhof Mahlsdorf, da waren es dann nur noch fünfhundert Meter zu Fuss bis ins neue Urlaubsheim für diesen erwartungsfrohen Rudolf.. Und das ist ja heute noch so.

Er bekam – unten, im Gästekeller – ein eigenes Zimmer mit Waschbecken und mit einem eigenen schönen Holzbett. Die Wände in diesem Raum waren mit rotem Rupfen bespannt, (hinter dem sich gerne Spinnen versteckten), vor denen es den kleinen Rudolf grauste. Sodann wurden die neuen Spielklamotten angezogen und hinaus ging es in den Schönen hellen Garten mit seinem großen Apfelbaum im vorderen Zentrum, und daran anschloß sich ein kleines schattiges Rasenstück mir mehreren hohen und schon dickstämmigen Bäumen. Zwischen zweien von ihnen war meist eine Hängematte gespannt, in die sich der kleine Rudi hochhangelte, um dann vollkommen ungestört darin lesen zu können, einen selbstgepflückten Apfen abbeissend und kauend. Ach wie war doch das Leben schön.

Ein Paar Strassen weiter, am Herrwegh-Weg, da wohnte der Vater mit seiner (ersten) Frau. Das es nur die erste sein würde, dass er sich um 1940 herum von dieser ersten Frau trennen würde, weil er beim VDMA, beim Deutschen Maschinenbau-Verband, wo er beschäftigt war als Systematiker, dass alles konnte selbstverständlich um 1936 herum niemand ahnen, am allerwenigsten der kleine glückliche im schattigen Garten lesende berliner Lausejunge Rudolf Anders.

Eines Tages in solch einem Ferienparadies kam der Vater auf einem Fahrrad und enschied, der Junge, sein Junge, der müsse nun Fahrrad fahren lernen. Die Pedalen wurden erhöht mit kleinen Holzklötzchen, so dass Rudolf sie bequem von heruntergestellten Sattel aus erreichen konnte. Dann ging es ab und hinaus in den nahegelegen Uhlenhorster Fort. Auch hier ahnte noch niemand, das die spätere Stasi würde hier einmal ein großes Abhörzentrum errichten, und Klein-Rudolf ahnte nicht, dass er – aus der Gefangenschaft der Amerikaner weggekommen und bei der ausgebombzen Mutter Herta in Lichtenberg, in der Weichselstrasse wohnend, im Herbst 1947 würde hinausziehen zu seiner – nun nicht mehr reichen – Oma W. nach Mahsldorf-Süd. Das alles lag noch verborgen in der für alle undurchschaubaren Zukunft. Rudolf wurde aufs Fahrrad gesetzt, er strampelte los, der Vater hielt das Rad hinten am Gepäcktrager einigermassen im Gleichgewicht und Rudolf triumphierte innerlich: Hurra – er konnte Radfahren! Da schaute er sich um – weit und breit kein Vater! Der hatte den Gepäckztäger längst losgelassen und den Rudi, seinen Sohn, dem eigenen Können versuchsweise überlassend. Prompt fiel der zu schnell stolze kleine Rudi um, fiel schmerzhaft auf die rechte Seite und verfluchte – innerlich – seinen so überklugen Vater. Von da an konnte er diesen Kerl nie mehr so richtig leiden.

Hier wollen wir im Erzählen wieder einmal die bekannte kleine Atempause für unsere Leserinnen einlegen.

 

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2 Kommentare
  1. Wann geht es denn weiter? Ich bin schon ganz gespannt auf die Fortsetzung!

    • NA ja, im Kopf ist alles fertig, dann kam eine trübe depressive Zeit, zu allem Übel auch noch dieser Gichtanfall, jetzt habe ich mir diese Veröffentlichung aller meiner Gedichte aufgeladen – man wird sehen, abgehakt ist das GAnze nicht!

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