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Das siebte Kapitel über den glücklichen Mann

6. Januar 2014

Meine liebe Lesefreundin und geduldige Zuhörerin bei meiner kleinen Geschichte. Als ich soeben hier reinklickte, um das siebte Kapitel zu beginnen, da war ich plötzlich erschrocken, denn: ich wusste – auf Anhieb – gar nicht mehr, WO ich am Ende von Kapitel sechs tatsächlich stehen geblieben war. Macht nix, nachsehen kann ich jetzt auch nicht, weil sonst – habe ich schon leidlich erlebt – trotz vorheriger Speicherung der Text im Nirwana des Netztes verschwinden kann.

Ich bin ein Trottel und werde wohl doch langsam ein wenig zu alt, denn: ich sehe eben, das sechste Kapitel kann ich ja mühelos hier bei mir gleich unten anschliessend lesen! Also auf:

Die Mutter dieses seelenlosen Lorbasses namens Willy hat also dafür gesorgt, dass ich bei meinen armen Großeltern, die selber kaum mehr hatten, als zum Leben erforderlich ist, dass ich also dort nicht verhungerte. Sie selber konnte sich arme Leute so richtig gar nicht vorstellen, denn sie hatte sich ja – mit achtzehn Jahren als junges Mädchen aus schneidemühl kommen – in Berlin als selbständige Blusenschneiderin hochgearbeitet, hatte ein Geschäft aufgemacht in der breiten Petersburger Strasse die heute Bersarinstrasse heisst, nach dem Eroberer Berlins 1945. Sie schneidet die Frankfurter Alle in Höhe der U-Bahn-Station gleichen Namens.

Die reiche Oma zahlte nicht nur: Als ich fünf Jahre alt war, erschien sie – unangemeldet – am Obstwagen meiner armen Oma. Die beiden Frauen, (sie waren ja beide vom gleichen Schlage), nur dass die eine im Kapitalismus  rabotten konnte, so viel sie bewältigen konnte, ohne es zu etwas zu bringen, und die andere hatte – mit Glück UND Ausdauer – es nicht nur zur Unternehmerin geschafft, sie hatte am guten Ende, (das war das Ende des Ersten Weltkrieges), sogar mit ihrem zweiten Ehemann, dem blinden Geschäftsführer der Berliner Schneiderinnung, draussen in Mahlsdorf-Süd, also vor den Toren Berlins, ein langes Haus gebaut, zweistöckig solcherart, dass das linke Drittel vom größeren Rest durch eine Brandmauer getrennt war und vollkommen den Charakter eines schönen schnuckeligen Einfamilienhauses hatte. Hierher wollte sie mich abholen. Sie stellte sich also vor: Liebe Frau Anders! Meine arme Oma konterte sofort mit: ich bin nich ihre liebe Frau! Ihr Kronensohn hat meene Toch nich jeheiratet, wat soll ick da ooch lieb sinn? Die reiche Oma erwiderte geduldig: Na nun man nicht gleich eingeschnappt sein. Ich will ihnen ja nicht schaden, Ich möchte ja nur den kleinen Rudolf in den Schulferien, die ja eben begonnen haben, für drei Wochen mit zu mit nach Hause nehmen, nach Mahlsdorf, in mein kleines Häus-chen. Man einigte sich schnell. Die Oma Anders packte der Oma W. schnell noch ein paar Pfund Goldparmänen ein, ich wurde mit lauter Stimme gerufen, (ich spielte gleich im die Ecke der Palisadenstrasse vom dem Bäcker dort an der Ecke, weil das mein Lieblingsplatz war – ganz nahe an den frischen Amerikanern in weis und braun, die so verlockend im Schaufenster lagen und das Stück nur zehn Pfennige kosteten, eine Summe, die ich jederzeit bei meiner armen Oma aus der Wagenkasse nehmen durfte.

Die reiche Oma W. die ich ja – beim erste Male – noch gar nicht kannte, sie nahm mich in Empfang und in den Arme, ja sie küsste mich sogar, wozu sie allerdings – zum Kopfschütteln der anderen Oma – ihren Schleier von Kapotthut zurückschlagen musste.

Sie fuhr dann mit mir – mit der Taxe! – zum Riesenkaufhaus Herta Frankfurter Allee Ecke Boxhagener Strasse, und dort wurde ich von Kopf bis Fuss vollkommen neu eingekleidet: Unterwäsche, Hemden, eine schicke kurze rein wollene Hose (mit Bügelfalte!), dazu den passenden braunen Ledergürtel, eine schöne Jacke – ich sah nun selber aus wie das Kind von reichen Leuten. Ich wurde dabei ganz stumm und beinahe verstockt, denn ich brachte auf die Omafrage, ob mir denn das alles auch so richtig gefiele, kein eigenes Wort mehr raus. Wir fuhren dann mit dem S-Bahn-Zug nach Erkner bis zum Bahnhof Köpenick, von dort mit der Strassenbahn zur Haltestelle Uhlenhorst, das waren schlichte vier Stationen, und heute heisst diese Haltestelle, wo die zweispurige Strassenbahn umwechslt in eine einspurige Stracle bis zum S-Bahnhof Mahlsdorf konsequent auch Mahlsdorf-Süd.. Wer nach Mahlsdorf-Süd wollte (und heute auch noch will), der fährt also vernünftigerweise NICHT nach Mahlsdorf, sondern eben mit dem Zug nach Erkner bis zum Bahnhof Köpenick.

Am Abend diese für mich so überwältigend einmaligen und geradezu unfassbaren Tages, hatte die Reiche Oma W. auch noch das ganze Haus voller Gäste: Die Hauptperson war (so nannten sie ihn alle) „Onkel Oskar“. Das war ein Selfmademan, der mal eine berühmte Würstchenfabrik in Köpinick gegründet, sie aber dann mit großem Gewinn schnell wieder verkauft hatte, und der am Strassenbahnwendepunkt Uhlenhorts ein berühmtes und sehr gut florierendes Tanzlokal betrieb, (das heute noch, (nach der Wende restauriert), als schickes Fresslokal betrieben wird,.

Hier, liebe Leserin, wollen wir beide wieder die schon gewohnte und auch verdiente kleine Pause einlegen. Bis später!

 

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