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Viertes Kapitel vom glücklichen Mann

1. Januar 2014

Nun, meine liebe Leserin? War dieser von mir gewählte Anfang UND Umweg – bisher – zu Lang? Oder ist Ihnen, wie es ja beim Erzählen (am Lagerfeuer) sein soll, nicht doch die Zeit wie im Fluge vergangen. Lassen Sie mich, bitte, – und sei es nur für die erhofften neu hinzukommenden Leserinnen – lassen Sie mich somit eine kurze Zusammenfassung des bisher Erzählten versuchen:

Vorausgeschickt habe ich die (erste) Liebesgeschichte von Herta Anders, dem Zigeuner. Sie war ein typisches Berliner Armeleutekind in den Zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts: nicht nur arm, sondern auch nur wenig gebildet mit einer – damaligen – Volksschulbildung, was mehr einer optimistischen Umschreibung für den Zustand der Lebensaussichtslosigkeit war. Aber sie war hübsch, (was heissen soll, sie hatte einen schönen und begehrenswerten Körper), sie war auf die allerunbefangenste Weise quicklebendig, (eine herausragende Tänzerin von Charleston und Black Bottem), und sie war standfest, lernbegierig und hart im Nehmen. Schon als Kind, als die letzte von Sechsen, erledigte sie – ganz unfreiwillig, aber gekonnt – den Haushalt ihrer Mutter Marie, die das karge Salär des Vaters Karl Anders, das er als ungelernter Fensterputzen nach Hause brachte, mit einer selbstgewählten und selbst organisierten und auch selbst bewältigten – nicht leichten – Geschäftsexistenz als Obsthändler’sche aufbesserte. Das, liebe Leserin, wissen Sie nun alles und haben es gewiss – als eine gute Zuhörerin – auch verinnerlicht, soll heissen: allezeit zur abrundenden Erinnerung parat. Damit habe ich die Erlaubnis von Ihnen, mit meiner kleinen und erfrischenden – weil als realistisch gedachten – Erzählung fortfahren. Wenden wir beide uns also dem zu, was ich – vorauseilend – das Geburtskapitel genannt hatte:

Herta Anders, die siebzehnjährige junge Frau aus der Lichtenberger Straße im alten damaligen Arbeiter-Osten, der sich hinzog vom Friedrichshain, am Landsberger Platz bis weit hinauf nach Lichtenberg, so bis zu der Gegend um den damaligen Schlesischen Bahnhof, wo dicht dabei das beliebte Nummerncabarett „PLAZA“ sich befand, das bei den kleinen Leuten und armen Seelen des Ostens sich sehr großer Beliebtheit erfreute.

Dieser Bezirk umfasste auch das Gebiet um den S-Bahn-Ringbahnhof Ostkreuz, mit seinem wichtigsten Zugang aus der Sonntagsstrasse. Den Namen Schlesischer Bahnhof haben die Bonzen der DDR getilgt, um ihren polnischen Freunden gefällig zu sein, die selbstverständlich – nachdem die siegreichen Russen das ursprünglische Polen mit der Siegergewalt nach Westen verschoben hatten – kein vitales Interesse daran hatten, ständig an den Begriff und die damit bezeichnete deutsche Landschaft Schlesien erinnert zu werden.

Mal ganz abgesehen davon, das Schlesien nun selber (für das ehemalige Preussen eines Friedrich dem Großen) nichts weiter war als eine wohlfeile Kriegsbeute, die der als human beschriener Prinz Friedrich, als er beim überraschenden Tod seines Vaters Friedrich Wilhelm (I), den die militärische damalige Welt respektvoll den Soldatenkönig nannte, und dessen Hobby – bekanntermaßen – die damals so genannten LANGEN KERLS waren. Die also der von Voltaire gelobte (und poussierte) Prinz Friedrich, (der sich heimlich vom österreischischen Gesandten mit Geld versorgen liess, um seinem Luxusleben nicht die engen Grenzen setzen zu müssen, die ihm der brutale, aber gesittete und sehr strenge Vater leider oktroiert hatte). Frierich also, kaum an die Regierungsmacht in Preussen aufgestiegen, vergaß sofort all seine im jugendlichen Übereifer der Franzosenschwärmerei sich selber als Werbung für seine eitle Person angeklebte Humanisterei. Er nahm das ererbte disziplinierte preussische Heer, mit seinem in Europa gerühmtem „Kadavergehorsam“, (böse Umschreibnung für die diesen Soldaten von ihren Offizieren eingebläute – keineswegs bei diesen Bauernbuben selbstverständliche – geradezu unnatürliche Disziplin). Frierich II nahm also diese Armee als ein williges Instrument und überfiel in zwei sogenannten Schlesischen Kriegen das begehrte Land, das besetzt war mit zwar armen, aber fleissigen und vor allem geduldigen und gewohnt obrigkeitsfreundlichen Menschen. Überfiel es also – bei Nacht uns Nebel – ohne eine damals rechtmässige vorausgegangene Kriegserklärung an das Österreich der kinderreichen Maria Theresia abgegeben zu haben, die nicht nur ihren lieben und reformfreudigen Leopold traktierte sondern auch – mit glücklicher Hand – die österreich-ungarischen Lande regierte. Friedrich, der Maria Theresie, eben wie ein vorurteilsbezogener Mann, für schwach hielt, was sie aber keineswegs war, sie war diesem Frierich – als Regentin – durchaus im Denken und Handeln gewachsen. Ihr Konkurrent Friedrich II also, den die Welt alsbald ob seiner glücklichen Hand als Krieger den Großen nannte, dieser Friedrich nahm dieser Kaiserin das umstrittene Schlesien – als leichet Kriegsbeute – einfach weg.

Soviel , meine liebe Leserin, zur schnellen Charakteristik des Goldjungen Friedrich und der damaligen Usancen in der engeren europäischen Hauspolitik. Denn Dieser Friedrich war ja – wie aller europäischer Adel – mit seiner Busenfeindin Maria Theresia eng verwandt.

Aber, dessen bin ich mir – als Erzähler – nun äusserst beschämt auch bewusst: ich habe mich – erzählend – vergalloppiert, denn ich wollte ihnen ja von der seltsamen Geburtsstunde dieses Rudi Anders erzählen, der hier die Stelle besetzen soll, die ich ausdrücklich – und natürlich auch um Leser anzulocken – den glücklichen Mann nennen will. Und ich wollte Ihnen ja erzählen, wie dieser Armeleutejunge zu diesem Beiwort gekommen ist. Dazu muss ich nun aber – notgedrungen – einen vollkommen neuen Anlauf als Erzähler Ihnen zumuten. Ich hoffe dennoch erwartungsvoll, dass Sie mir – nicht unwillig – folgen mögen.

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