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Zweites Kapitel vom glücklichen Mann

30. Dezember 2013

Die beiden Armeleutemädchen, die Lizzi und die Herta – nun, zunächst einmal waren sie unendlich glücklich, weil ihre kleinen Wochenendrechnung ja so wunderbar glatt aufgegangen zu sein schien: Draußen schien die Sonne – und in ihren kleinen, (innerlich so großen und weiten) Herzen, da schien sie auch. Die beiden Gentlemen kümmerten sich rührend um die beiden Mädchen. Es wurde viel gelacht, auch geschäkert und sogar leichthin gefrozzelt. Alle vier jungen Menschen waren in dieser schönen Stunde mit ihrem Lebenslos offensichtlich zufrieden.

Der Blonde, er hieß Rudi A., er besaß – wie auch immer und warum auch immer – eine kleine Zweizimmerwohnung in der Nähe des Comenius Platzes. Auf diese Wohnung kamen die beiden Herren – flirtend – bald lockend zu sprechen. Die Mädchen wurden rot und verlegen, als die beiden Kerle so frank und frei herausposaunten, es sei doch ein Leichtes und gewiss für alle Beteiligten auch erstrebenswert, zöge man sich – zu viert – nach der Vorstellung dorthin gemütlich zurück. Ein wenig erschrocken waren die Girls jetzt aber schon: Doch der Gedanke, mit diesen zwei hübschen und geselligen Buben vielleicht ein kleines erotisches Abenteuer zu erleben, das brachte die beiden Mädchenherzen schon zum Bibbern!

Nun, zunächst war es den beiden Komparsen ja unerlässlich aufgetragen, nach dem Ende der Pause schnell wieder nach hinten zu verschwinden, wo sie ihre kleine Rolle zu absolviern hatten. Die beiden Herren versprachen ihren neu gewonnenen Gespielinnen aber fest in die Hand, sie würden zweifach ihr gegebenes Wort halten: Sie würden die aufgelaufene kleine Zeche bezahlen und die beiden Damen dann anschliessend treu und zuverlässig mit nach Hause nehmen, nicht ohne zu betonen – großes Kavaliersehrenwort – den Damen würde dort nichts Böses geschehen, vor allem nichts, dem sie nicht von selbst zustimmen würden. Nach dieser Erklärung ertönte das Pausenzeichen, das mit mit dem dreimaligen Läuten das Ende der Pause verkündete. Die beiden Freunde erhoben sich, machten einen arigen Diener, flüsterten kurz mit Mutter Marten, und verschwanden dann schnell wieder durch die hintere Tür, durch die sie für die beiden Mädchen vor zwanzig Minuten so überraschend erschienen waren.

Mutter Marten sagte nix mehr. Sie schaute hinter ihren schütznden Tresen nach unten und beschäftigte sich auffallend konzentriert mit ihrer Kaffeemaschine. Herta und Lizzi waren zunächst auch erst einmal stumm. Herta war glatte siebzehn Jahre alt, also absolut unerfahren, soweit dies im allgemeinen in diesen bereits sehr aufgeklärten und verdammt lockeren Zeiten von einem Stadtmädel überhaupt gesagt und gedacht werden durfte. Lizzi war zwar die Ältere, sie war zwei Jahre früher geboren als ihre beste Freundin Herta, aber, sagen wir es frank und frei: auch Lizzi war in Wirklichkeit vollkommen unschuldig. Beide Mädels waren also – wie man so üblicherweise sagt – unberührte Jungfrauen. Jeder erfahrene Mensch hätte es ihnen auch leicht an ihrem verspielten Gehabe angesehen. Dann tuschelten sie aufgerrgt miteinander, wohl wissend, falls ihre innerliche natürliche Angst größer sein sollte, als ihr nicht zu bestreitender Abenteuerdrang, sie hätten ja nur flugs aufzustehen brauchen um das Lokal zu verlassen. Doch sie hatten sich beide – ganz unabhängig voneinander – längst innerlich entschieden, und zwar ganz eindeutig (und aufgeregt) für das auf sie wartende, auf sie zukommende kleine Liebesabenteuer. Sie strahlten sich beide an, erwartungsvoll und neugierig auf das Leben. Was sollte schon Schlimmes geschehen? Den Kopf würden ihnen die beiden Hübschen ja gewiss nicht abreißen.

Auch Mutter Marten hatte es offensichtlich tief innen erwischt: Sie spendierte den beiden Täubchen sogar jeder noch ein Kännchen Kaffee mit der üblichen abwehrenden professionellen Bemerkung, das ginge eben aufs Haus. Die beiden Mädchen an ihrem kleinen runden Tisch flüsterten weiter. Schliesslich stand eine Menge auf dem Spiel, was aber rein praktisch bedeutete, sie mussten sich eine kleine Strategie und eine ausreichend flexible Taktik zurechtlegen: Was würde in dieser fremden Wohnung auf sie zukommen, und wie hätten sie sich in einem jeden voraus zu sehenden Einzelfall zu verhalten. Die Zeit schien gleichzeitig stehen geblieben zu sein und doch davon zu rasen! Die hintere Tür ging auf – da waren die beiden Kavaliere wieder, nicht weniger aufgeregt als ihre Mädchen. Allen vieren bibberten die Herzen, wenn auch den beiden Mädchen wohl doch auf eine ganz andere, eine zartere, eine erwartungsvollere Art und Weise. Die beiden Boys halfen den Damen in ihre kurzen Frühlingsjacken, man hakte – paarweise – einander unter und dann verliessen diese vier jugen Menschen das Lokal. Mutter Marten schaute ihnen nachdenklich hinterher.

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