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Weihnachten 1945

23. Dezember 2012

Wisst ihr noch, wie es war vor siebenundsechzig Jahren?

Wir klauten Holz und gingen dazu in den Wald

Gleich vor der Stadt, des morgens früh und in der Nacht.

Auch um Kartoffeln mussten wir zum Bauern fahren, 

Der brauchte Töpfe, Einmachringe, möglichst bald.

Und manchmal haben wir auch nichts nach Haus gebracht.

 

Wer ein Stück Leder hatte, musste ernsthaft prüfen,

Ob er es selber unter seine Schuhe schlug,

Oder für eine Schachtel Nägel tauschte, die

Sich gegen einen halben Schinken wandeln liess,

Den man um eines Vorteils willen selber dann

Nicht aß, sondern dem Amtsvorsteher Rathke brachte,

 

Der aber nahm ihn auch nur halb für sich allein.

Das andre Viertel teilte er mit den Kollegen.

Uns aber setzte höher er auf seine Liste

Der Kandidaten, die um einen Wohnung warben.

Diese Verbess’rung unsrer Chancen war es wert,

Dass Leder, Nägel und der Schinken Träume blieben.

 

Der Weihnachtsabend fand uns glücklich und zufrieden.

Wir waren satt und hatten noch Kartoffeln übrig,

Die bis Sylvester reichen konnten, eingeteilt.

Auch das geklaute Holz war trocken und es brannte

Im Ofen fast so hell wie unsre Hoffnung, die

Festlich das Herz uns spannte auf die eigne Wohnung.

 

(Rudi K. Sander, Bad Schwalbach)

 

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