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Standpunkt aus Erfahrung

30. November 2012

Am Heiligabend neunzehnachtundzwanzig

Hat meine Mutter mich, vor Schmerz gekrümmt, 

Auf diese Welt gebracht. Sehr streng und kalt

Der Winter war. Ich kam ganz überraschend.

Der Mutter war zuvor nichts anzusehen.

Als Fötus war ich gründlich schon befangen.

Die Eltern meiner Mutter schier verwundert, 

Es war die Tochter gar nicht aufgeklärt.

Half ihnen alles nichts, ich kam und brüllte,

Und Windeln mussten sie beim Nachbarn borgen.

Der Zorn der Eltern legte sich. Die Mühe,

Die meine Ankunft brachte, liess nicht Zeit

Für Fluch und Vorwurf. Später war’s vergessen.

 

Der Vater, der mich zeugte, wusste nichts

Davon, dass meine Mutter schwanger blieb,

Sie selber nur hat ihn gekannt bis dahin.

Er hatte dringend davon abgeraten,

Des Leichtsinns Frucht auf diese Welt zu bringen.

Der Mutter war der Leichtsinn aber Liebe,

Sie wollte nicht, dass spurlos sie versank.

Als Kind der Liebe kam ich auf die Welt,

Auch wenn mich nur die eine Hälfte wollte.

Dem Fötus war es gleich, dem Baby auch.

Am Weihnachtsmorgen fuhren Boten der

Familie, um die trübe Botschaft bald

Zu melden dem Erzeuger, der nicht lachte.

 

Er lachte nicht, doch zwang man ihn zu zahlen.

Und sechzehn Jahre hat er prompt gezahlt.

Gekannt hab‘ ich ihn kaum, nur seine Mutter,

Sie kam gelegentlich in unsre Strasse,

Um mich für Wochen in ihr Haus zu holen.

Zu meinem Hang, mich niemand aufzudrängen,

Kam nun der zweite, keinem Weh zu tun.

Ich wusste schnell den Unterschied der Bräuche

In beiden Elternhäusern wach zu achten,

Und lernte früh, mit Wechselmaß zu messen.

Sehr bald ging ich dann einsam meinen Weg

Und zog mich still in mich zurück.

So bin ich noch im Kreise meiner Bücher.

 

Ein Mann am besten ist sein eigner Vater.

Sehr langsam hab‘ ich dieses Wort gelernt.

Aus diesem Grunde lud ich auch nicht selber

Das Leben eines Sohnes mir auf’s Gewissen.

Bis heute nicht; es möge auch so bleiben.

Ich denke immer, bleibt nur, wo ihr seid.

Auf dieser Welt hat keiner ‚was verloren,

Und finden kann man auch nicht, was man braucht.

Geboren heisst, sich ohne Ziel zu plagen,

Man glaube denn an Sohn und Haus und Buch.

Von diesen dreien mag ich nur die Bücher.

Bedruckt Papier trägt seinen Wert in sich,

Und alles andre bleibe mir gestohlen.

(geschrieben 1975 in einer Phase von Depression)

 

Rudi K. Sander alias dieterbohrer aka @rudolfanders; Bad Schwalbach

 

 

 

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