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@Kusanowsky’s Bitte

9. März 2012

 „Ich will von dir etwas wissen, nämlich: wie lässt sich mit einer Methode der Assoziologie der Frage nach gehen, wozu moderne Linguistik gut ist. Denn auf diese Weise könnten wir nicht nur etwas zur Beantwortung dieser Frage etwas beitragen, sondern nebenbei auch etwas über die Methode herausfinden. Erster Vorschlag zur Entwicklung einer assoziologischen Methode: man verzichtet auf Kritik und Meinung, stattdessen lässt man sich von Vorschlägen beeindrucken, faszinieren und fügt einen weiteren Vorschlag an, ohne Rücksicht darauf, welche Verbote man damit unberücksichtigt lässt. Mein Vorschlag lautet:

In der Linguistik ist allgemein die Auffassung verbreitet, dass wir alle über die eigene Sprache vieles wissen, das wir zwar nicht selber in Worte fassen können, aber trotzdem zur Sprache bringen können. Dies zu erforschen, die Frage zu stellen, wie das möglich ist, könnte die Aufgabe einer Linguistik sein, die das unbewusste sprachliche Wissen, das „Sprachgefühl“, bewusst und verstehbar machen will. Mit diesen oder ähnlichen Worten jedenfalls könnte eine Selbstbeschreibung der Lingustik beginnen. Schon diese Selbstbeschreibung enthält sehr viele Vorannahmen, welche nicht gänzlich sprachlich vermittelbar sind und auch nicht sprachlich vermittelbar sein müssen, damit die Kommunikation über Linguistik und die linguistische Forschung funktionieren können.“

Ich hatte @Kusanowsky gebeten, ob er mir erklären könne, was ich mit Linguistik vielleicht anfangen könnte. WIKIPEDIA wollte ich nicht befragen, weil ich nicht in einen Meinungsstrudel hineingerissen möchte, den ich schon mal gar nicht beurteilen kann. Meine Frage war entstanden, weil ich das Suhrkamp-Taschenbuch „Wissenschaft“ stw 1944 in die Finger bekommen habe: Jurij M. Lotmann „Die Innenwelt des Denkens“. Von wo dieser Hinweis war, habe ich vergessen, möglicherweise habe ich ihn bei Dirk Baecker gefunden, ich weiss aber nicht mehr wo und wann. Jedenfalls bekam ich eine Mail von der Hessischen Landesbibliothek, mein vorbestelltes Buch könne nun abgeholt werden. Knapp 120 Seiten habe ich darin nun gelesen, mit grossem Interesse, ja sogar mit Begeisterung, wie ich sie beim Lesen eines neuen Buches über ein nicht vertrautes Thema schon sehr lange nicht mehr empfunden haben. Lotman schreibt sehr klar und distinkt, ich finde, er übertrifft hierin sogar noch Niklas Luhmann, den Dietrich Schwanitz schliesslich einmal den grössten Stilisten wissenschaftlicher Prosa des 20. Jahrhunderts genannt hat.

Bislang habe ich bei Lotmann sehr viel über Tropen und Rhetorik gelernt, zwei Themen, denen ich bislang stets beflissen aus dem Wege gegangen bin, weil ich mir die damit verbundene Terminologie einfach nicht merken kann, sie geht einfach nicht an mich. Lotman aber hat es spielend geschafft, mich hierfür zu interessieren. Er hat mich auch wieder auf den von mir seit vierzig Jahren beiseite gelegten Umberto Eco und die (seine) Semiotik aufmerksam gemacht. Beinahe habe ich mich schon mit Eco versöhnt, obwohl ich auch dem und seinem semiotischen Dreieck entschlossen aus dem Wege gegangen war. Es tauchten bei Lotmann sogar Begriffe auf wie Neosemiotik, Neo-Rhetorik und dann war von ebenso moderner Linguistik die Rede. Was ich zu Zeiten meiner Eco-Lektüren (alle von ihm erwähnten Amerikaner und einen Norweger – die Namen habe ich alle vergessen, nur wenn ich sie irgendwo erwähnt finde, erinnere ich mich – habe ich damals auch gelesen, und ich fand das alles nicht besonders erhellend, jedenfalls hat es mich damals nicht besonders gefesselt.

Nun soll ich mir also als ein unterstellter Assoziologe selber Gedanken machen und den Kopf zerbrechen und in die in mir selber angeblich steckenden tiefen Kenntnis oder Ahnungen und Vermutungen Gedanken machen darüber, was eine Linguistik aus der Sicht der Assoziologie möglicherweise leisten könne. Schon als Assoziologe bin ich verdammt unbeholfen und meist bei den verschiedensten Fragestellungen ziemlich blockiert. Das alles entspricht einfach nicht meiner ansozialisierten Denkweise und Artikulationsfähigkeit. So bleibt mir zunächst wohl nichts weiter übrig, um diesem brillianten Lotman weiter lesend zu folgen und mir beim Lesen so meine eigenen Gedanken zu machen und sie auch hier und da zu formulieren. Schliesslich stehen mir hier noch interessante – so hoffe ich –  genau 300 Seiten bevor. Ich lasse mich überraschen.

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